Archive for the 'Allgemein' Category


Aus dem Forum wird die ACT Sektion Zentralschweiz 0

Geschätzte Interessierte,
Medienschaffende der Zentralschweiz,
VertreterInnen der Kulturabteilungen Stadt und Kanton Luzern, RKK Region Luzern
sowie KollegInnen der IG Kultur, des Kleintheater, Südpol, Voralpentheater Luzern und Luzerner Theater

Gerne informieren wir hiermit über die am 10. Mai 2010 erfolgte Gründung einer Zentralschweizer Sektion von ACT, Schweizerischer Berufsverband der Freien Theaterschaffenden. Das professionelle Theaterschaffen in der Zentralschweiz soll dadurch eine stärkere Beachtung und Lobby finden, auch wird eine intensivere Kooperation innerhalb eines nationalen und internationalen Netzwerkes angestrebt.

Der 1996 gegründete Verein Forum Freies Theater Luzern hat mit der ausserordentlichen Generalversammlung vom 07. Juni 2010 entschieden, den Verein aufzulösen und sämtliche vorhandenen Ressourcen und Geschäfte per sofort dem neu gegründeten Verein ACT Zentralschweiz zu übertragen. Wir sind der Überzeugung, dass durch diesen Schritt eine Bündelung der vorhandenen Kräfte stattfindet. Insbesondere können spezifische Beratungen und Dienstleistungen für Theaterschaffende von ACT Schweiz übernommen und ausgebaut werden. Die Sektion „ACT Zentralschweiz“ wird sich weiterhin in der kulturpolitischen Arbeitsgruppe „Theaterperspektiven Luzern“ engagieren, aber auch den bereits 2009 erfolgreich durchgeführten Kultur-Adventskalender in der Loge Luzern wieder veranstalten. Weitere Aktivitäten werden laufend kommuniziert.

Für sämtliche Belange der freien Theater- und Tanzszene Zentralschweiz ist somit ab sofort der Vorstand der Sektion ACT Zentralschweiz zuständig. Die Schaffung einer Geschäftsstelle ist in Vorbereitung,  bis dahin steht Ihnen die Präsidentin Ursula Hildebrand gerne als erste Ansprechperson zur Verfügung.

Der ehem. Vorstand Forum Freies Theater Luzern

Neue Ansprechperson:

ACT Zentralschweiz
c/o Ursula Hildebrand
Brisenstrasse 13
6020 Emmenbrücke/LU

Telefon +41 (0)41 410 83 88
e-Mail u.hildebrand@bluewin.ch

ACT LogoACT – Berufsverband der Freien Theaterschaffenden | Kurszbeschrieb des ACT Schweiz

Ziel von ACT ist es, das Freie Theaterschaffen zu fördern und dessen Rahmenbedingungen zu verbessern. Dazu bieten wir Beratungen, Dienstleistungen und Vergünstigungen an. Wir informieren und vernetzen unsere Mitglieder. Auf kulturpolitischer Ebene vertreten wir die spezifischen Interessen von Freien Theaterschaffenden und von niedrig subventionierten Bühnen.

ACT ist gesamtschweizerisch tätig und international vernetzt. In der Schweiz stehen zahlreiche lokale Sektionen für die Anliegen von Freien Theaterschaffenden ein. Der Berufsverband steht professionellen Theaterschaffenden aus allen Sparten offen. Unsere Mitglieder sind in den Bereichen Schauspiel, Regie, Produktionsleitung, Dramaturgie, Technik und so weiter tätig. Der Berufsverband wurde 1983 unter dem Namen Vereinigte Theaterschaffende der Schweiz (VTS) gegründet und ist als Verein organisiert. Seit dem 13. September 2009 heisst der Berufsverband neu: ACT – Berufsverband der Freien Theater-schaffenden, Association des créateurs du théâtre indépendant, Associazione creatori teatrali indipendenti.

Quelle: www.a-c-t.ch / 05.07.2010

Zukunft der Freien Tanz- und Theaterszene in Luzern 0

Forderungen für die Zukunft der Freien Tanz- und Theaterszene in Luzern

Stellungnahme von Vertreter/innen der Freien Tanz- und Theaterszene zur Diskussion um die Zukunft der Theaterlandschaft Luzern (Forum Freies Theater Luzern, Kleintheater Luzern, Südpol Luzern)

Eine Theaterdebatte
Vieles und oft ist in den letzten Wochen in der Luzerner Öffentlichkeit über Theater gesprochen worden, in der Bevölkerung, den politischen Gremien und den Medien. Ausgelöst durch die Diskussionen um eine mögliche Salle Modulable wurde die kulturpolitische Frage in den Raum gestellt, welches Theater sich Stadt und Kanton Luzern zukünftig leisten können und leisten wollen, ob überhaupt noch Theater sein soll in Luzern, ob nur Theater oder auch Tanz, und wo dieses allenfalls beheimatet sein könnte.

Die Freie Szene wurde dabei durch einen unausgereiften und inzwischen mehrheitlich zurückgenommenen Vorschlag des Stadtrates ins Zentrum der Aufmerksamkeit gerückt, dass nämlich diese einen Teil des bisherigen Auftrages, den das Luzerner Theater innehat, übernehmen könnte. Es war die Rede von 1-1,5 Millionen Franken, mit denen eine Art theatraler Grundversorgungsauftrag an die Freie Szene delegiert werden könnte. Im Hintergrund dieses Vorschlags stand der Druck auf die Politik, zur finanziellen Ermöglichung der Salle Modulable Geld einsparen zu müssen. Dies unter der Prämisse, dass zwar ein neuer Kulturleuchtturm für Musiktheater gebaut werden soll, dafür aber auf keinen Fall mehr Kulturgeld zur Verfügung stehen darf. Vertreter/innen der Freien Szene haben seit Anbeginn der Diskussion klar gestellt, dass ihre Interessen zwar seit Jahren vermehrte Aufmerksamkeit und Finanzierung verdienen, jedoch nicht als Spielball innerhalb einer Theaterspardebatte verwendet werden dürfen. Es scheint, nach unruhigen Monaten und vielfach hektischen Gesprächen, dass die Diskussion zuletzt in eine gewisse Schieflage geraten ist  und einige Dinge richtig gestellt werden müssen.

Die Freie Szene

Jegliches Interesse an der Freien Szene ist erfreulich, sofern es ein echtes und sachbezogenes ist. Die Freie Szene wird demVertrauen, das in sie von politischer Seite gesetzt wird, gerne gerecht, sie muss aber vorab mitteilen, dass sie nicht die günstigere Schwester des kostspieligen Tankers Luzerner Theater ist. Auch die Freie Szene kostet Geld, wohlbegründetes und verdientes. Denn die Freie Tanz- und Theaterszene setzt sich zusammen aus Künstlern, Gruppen und Veranstaltern, die vollberuflich zeitgenössische Tanz- und Theaterproduktionen erarbeiten und präsentieren. Freie Szene bedeutet nicht Amateur- oder Laienszene, sondern sie ist eine Szene von professionell tätigen Tanz- und Theaterschaffenden. Frei wird sie genannt, weil ihre Mitglieder nicht fest an eine Institution gebunden sind, sondern in projektbezogenen Zusammenhängen produzieren. Die Freie Szene  arbeitet flexibel und vernetzt, sowohl im In- wie auch im Ausland. Sie setzt sich zusammen aus Persönlichkeiten, Kollektiven und Institutionen, die eine bewusste berufliche Entscheidung zur Selbständigkeit gefällt haben. Viele Künstler aus der Freien Szene treten auch regelmässig in institutionellen Zusammenhängen auf, wenn entsprechende Projekte dazu veranlassen, denn die Systeme sind heute durchlässiger geworden.

Eine Freie Szene, die als solche ernst genommen wird, stellt neben dem künstlerischen Anspruch, an dem sie gemessen werden muss, ihrerseits den Anspruch auf angemessene Finanzierung. Darunter ist eine regelmässige und substantielle Förderung zu verstehen, die unabhängiges künstlerisches Arbeiten erlaubt. Diese ist im gesamtschweizerischen Vergleich zu sehen, d.h. zu vergleichen mit Zürich, Basel, Bern, Genf oder Lausanne, wo die Freie Szene seit Jahren zu einem wesentlichen und vielbeachteten Element der lokalen Kulturszene gehört.

Faire und sozial gerechte Förderung

Die Berufsverbände act und danse suisse weisen seit Jahren zurecht darauf hin, dass Mindestlöhne, angemessene Vorsorgemöglichkeiten und eine möglichst regelmässige Beschäftigung auch im Bereich der freien Tanz- und Theatertätigkeit heute überall standardisiert sein sollten. Denn das Risiko der freien, nicht institutionell abgesicherten künstlerischen Tätigkeit soll belohnt, nicht bestraft werden. Eine Freie Szene, die als eigenständiger kultureller Sektor der Gesellschaft betrachtet wird, braucht eine zuverlässige soziale Verankerung und eine konstruktive Aussicht auf Entwicklung. Sie muss  darauf bauen können, für ihre Tätigkeit entsprechend gefördert und medial begleitet zu werden, und sie muss dahingehend unterstützt werden dass sie ihren Schauplatz an öffentlich getragenen Orten findet und nicht nur geduldeter, sondern gewollter und breit abgestützter Teil einer Gesellschaftskultur ist.

Die künstlerischen Ideen sind das Herz einer jeden Szene, die räumliche und technische Infrastruktur bildet ihr Rückgrat. Die besten Ideen und die motiviertesten Kollektive können keinen spannenden zeitgenössischen Tanz und kein aktuelles Theater machen ohne Aufführungsorte, an denen sie ihre Arbeiten entwickeln und präsentieren können. Diese Orte können institutionelle sein oder alternative, sie brauchen jedenfalls ein Mindestmass an technischer und personeller Ausstattung, wenn die Gruppen der Freien Szene eine ernstzunehmende Unterstützung erhalten sollen.

Hauptziel Koproduktionen
Vernetzung und kooperatives Arbeiten ist im heutigen Tanz- und Theatergeschehen der Normalfall. Einfachstes Mittel zur Herstellung vernetzter Tätigkeit ist die Form der Koproduktion. Dabei produziert eine Gruppe ein Projekt mit mehreren Veranstaltern zusammen. Jeder beteiligte Veranstalter trägt dazu einen aktiven finanziellen Beitrag bei (i.d.R. 10000-15000 CHF), die Gruppe bemüht sich um Basisfinanzierung am „Heimatort“ und erhält durch die Vernetzung die Möglichkeit, an mehreren Spielorten vor unterschiedlichem Publikum ihr Stück aufzuführen. Dieses Koproduktionsmodell wird in Aarau, Basel, Bern, Genf, Lausanne und Zürich höchst erfolgreich praktiziert. Es ist höchste Zeit, dass Luzern aktiver Teil dieses nationalen Koproduktionsnetzes wird. Dazu braucht es eine entsprechende Zusage durch die Kulturförderung.

Die Freie Tanz- und Theaterszene wächst und erfreut sich grosser Beliebtheit beim Publikum. Besucherzahlen von Kleintheater und Südpol  können dies ebenso belegen wie zunehmende Gesuche bei den Förderstellen. Die langjährig arbeitenden professionellen Tanz – und Theaterschaffenden sind in der Luzerner Kulturlandschaft dank ihrer Arbeitskontinuität gut verankert. Sie verdienen ebenso kontinuierliche und substanzielle Förderung.

Nachwuchs und Etablierte, Gruppen und Veranstalter gehören zusammen

Jedoch soll die Luzerner Theaterlandschaft auch für neue, junge Künstlerinnen und Künstler attraktiv sein. Nur so lässt sich eine innovative und immer wieder überraschende Tanz- und Theaterszene entwickeln, die das kulturelle Leben immer von neuem beleben kann. Erste Schritte in diese Richtung sind gemacht:  Junge Künstler aus theaterfremden Bereichen steigen quer in die Freie Szene ein und bereichern diese durch eigenwillige Projekte, wie in Luzern zuletzt die Rockband marygold belegt, die sich im Mai erstmals mit einem Tanzkonzert präsentieren wird. Die Tankstelle neue Szene!, eine Nachwuchsinitiative von Kleintheater und Südpol, hat bei ihrer ersten Ausgabe grosse Aufmerksamkeit bei Publikum und Presse erreicht.

Um an diese positiven Einzelinitiativen anknüpfen zu können, müssen langjährige Forderungen der Freien Theater- und Tanzszene Luzerns endlich eingelöst werden: Gruppen der Freien Szene Luzerns brauchen eine kontinuierliche (Ensemble-) Förderung sowie substantiellere Beiträge für Einzelprojekte. Bei der momentanen Förderpraxis erhält eine Produktion selten die erforderte Basisförderung, um auch nur kleinere Projekte ausreichend professionell finanzieren. Grössere Projekte werden aus finanziellen Gründen schon kaum je angedacht. Erschwerend kommt hinzu, dass auch die Rahmenbedingungen (Proberäume etc.) verbesserungsfähig sind. Auf Veranstalterseite ist das finanzielle Korsett zu eng geformt: Fürs Kleintheater gibt es mit einem Eigenfinanzierungs-Grad von fast 75% wenig Handlungsspielraum für die Freie Szene. Es muss sehr vorsichtig programmiert werden, Ko-Produktionen oder Experimente im Theater-Bereich kann sich das Haus nur sehr eingeschränkt leisten. Der Südpol steht ein wenig besser da, ist aber aufgrund seiner Grössendimension ebenfalls mit sehr hohen Betriebskosten und äusserst beschränkten Programmgeldern konfrontiert. Der momentane Eigenfinanzierungs-Grad von gegen 50% setzt auch hier einen grossen Druck auf den Betrieb und schränkt die Möglichkeiten von Kooperationen mit der regionalen und nationalen Freien Szene massiv ein.

Eine Frage der kulturpolitischen Vision
Das Potenzial der Freien Theater- und Tanzszene ist in Luzern längst nicht ausgeschöpft. Mit einer Verbesserung der Grundbedingungen soll in den Theaterplatz Luzern langfristig und nachhaltig investiert werden. Nicht zuletzt ist die neu gewachsene und sehr fruchtbare Zusammenarbeit zwischen den Tanz-/Theaterschaffenden und Vermittlern (Kleintheater, Südpol) eine vielversprechende Grundlage für den weiteren Ausbau des Theaterplatzes Luzern. Wenn die Freie Szene Luzerns aufblühen soll, muss sie entsprechend gefördert werden. Das heisst: Auf der Produktionsseite müssen die Produktionen der Freien Szene von der öffentlichen Hand so unterstützt werden, dass die professionellen Tanz- und Theaterschaffenden sozial abgesichert sind und von ihrer Tätigkeit leben können. Auf der Veranstalterseite müssen die Veranstalter finanziell in der Lage sein, der Freien Szene gute Rahmenbedingungen für ihre Produktionen bieten und anständige Gagen zahlen zu können. Ausserdem sollten die Luzerner Veranstalter die finanziellen Mittel zur Verfügung haben, um sich am nationalen Koproduktionskarussell beteiligen zu können.  Als Vertreter/innen der Freien Szene von Tanz und Theater erwarten wir eine offene und sachbezogene Diskussion um die Entwicklung dieser Szene. Wir erwarten, dass die kulturpolitischen Entscheidungen innerhalb einer kulturpolitischen Gesamtvision getroffen werden, die im Dialog mit den Bedürfnissen der Kunstschaffenden und den verschiedenen Publika steht und das reichhaltige Potential der Luzerner Szene ausschöpft.

Wir stehen dafür jederzeit zur Verfügung.

Luzern, 25.03.10